Sofia Duchovny
ZARTE GRÖßE
Eröffnung 27.4.2017 Real Positive
Kuratiert von Oona-Léa von Maydell

Was für ein Bett braucht der Mensch und wie schläfst Du eigentlich in fremden?

Das Wurfzelt ist möglicherweise einfach aufzubauen: indem man es nämlich auswirft. Nur wie faltet man es wieder zusammen? Manch ein Mensch verlässt schreiend den Ort des nächtlichen Lagers, das Wurfzelt hinter sich lassend. Freundschaften sind daran
zerbrochen. Sogar ganze Ehen.
Dabei macht uns das Zelt unabhängig von äußeren Umständen. Lässt uns zum Weltbürger mutieren, der möglicherweise oder mittlerweile heimatlos, freiwillig oder notgedrungen, durch Raum und Zeit vagabundiert. Der Eine auf der Flucht, die Andere aus eigener Dynamik.

Das Zelt, ein Raum, der intim erscheint und es doch nicht ist. Zunehmend raumgreifender und oft sehr feminin. Zugleich hat es etwas organisches durch seine Transparenz und die autonome Fortbewegung - man ist sozusagen für alles gewappnet.
Auch mag es etwas schwärmerisches haben in einem Zelt zu schlafen - eine gewisse Leichtigkeit - die sexuelle Phantasien auslösen darf. Man hört ja quasi alles.

Leicht transportabel, luftig und durchscheinend, mit besonders präparierter 'Haut',
kombiniert Duchovny Zeltstangen mit Tüllstoffen und lässt diese zu einer Skulptur werden.
Die 'Flügel' quetscht sie zwischen die Seitenwände des Ausstellungsortes Real Positive. Sie erinnern an einen Frauenkörper, der mit Tinte versehen ist - Verzierungen die wie
Tätowierungen aussehen. Die Skulptur wird praktisch von den Wänden eingeengt - das will sie aber garnicht, und muss deshalb dagegen ankämpfen. Ein Arbeitsprozess, der sie leicht erzittern lässt.

Die aufblasbaren Nackenhörnchen ( auch Reisekissen ) liegen kuschelnderweise,
zusammengesteckt, verteilt zu den Füßen der Skulptur auf dem Boden. Wesen, die
rumliegen wie Menschen oder Tiere.
In den Zeichnungen und Aquarellen malt Duchovny verschiedene Betten. Matratzen.
Mosquito - Beine. In denen sich sowas wie ein Zustand zwischen wach sein und schlafen
abspielt. Es sind keine Menschen zu erkennen. Die Tiere, die sich darin bewegen, wirken wie fantastische Tiere. Eine Transformation, die im Schlaf stattfindet? Unordentlich und improvisiert sieht es auf den Motiven aus. Eine Decke liegt zusammengeknüllt im Hier und man ist vielleicht gerade aufgestanden - noch nicht richtig wach. Vielleicht weiß man garnicht, wo man ist. Und im Jetzt ist ein Ort oder vielmehr eine Situation.

Obgleich die Vorstellung sein Zuhause überall zu haben etwas romantisches und
praktisches hat, ist das Leben in einem Zelt sicherlich nicht das komfortabelste.
Möglicherweise eine Lösung mit der Schnelligkeit der Welt und mit den Umständen ein Künstler zu sein, global leben und umgehen zu können.

1 / 1